Auf einen Blick:
- ZEW-Stimmungsindex Deutschland steigt auf 25,2 Punkte (April: -14)
- Erwartungen der Analysten deutlich übertroffen (Prognose: 11,9)
- Eurozonen-Stimmung ebenfalls im Aufschwung (11,6 Punkte nach -18,5)
- Aktuelle Lage bleibt allerdings kritisch (Deutschland: -82,0 Punkte)
Stimmungsaufschwung trotz schwacher Gegenwart
Der Mai bringt eine spürbare Trendwende beim wirtschaftlichen Ausblick: Der viel beachtete ZEW-Konjunkturindikator für Deutschland legte von -14 im April auf 25,2 Punkte zu – der höchste Stand seit fast zwei Jahren. Noch im April war die Stimmung auf den tiefsten Wert seit Juli 2023 gefallen.
“Die Erwartungen hellen sich spürbar auf”, kommentiert ZEW-Präsident Prof. Achim Wambach. Gründe dafür:
- Die Bildung der neuen Bundesregierung
- Fortschritte im Handelskonflikt
- Eine sich stabilisierende Inflationsentwicklung
Auch in der Eurozone hellt sich das Bild auf: Der Erwartungswert stieg auf 11,6 Punkte (Vormonat: -18,5), deutlich über den Prognosen. Selbst die aktuelle Lageeinschätzung verbesserte sich leicht – bleibt aber mit -42,4 Punkten tief im negativen Bereich.
Branchen im Fokus: Optimismus kehrt zurück
Besonders erfreulich: Die Erwartungen für die kommenden sechs Monate verbessern sich branchenübergreifend:
- Bankensektor
- Automobilindustrie
- Chemie und Metalle
- Maschinenbau
- Stahlindustrie
Treiber dieser Entwicklung sind eine entspannter handelspolitischer Ausblick, stabilisierende Preise und die Hoffnung auf Zinssenkungen durch die EZB. Auch Binnennachfrage und Bauwirtschaft sollen laut ZEW-Prognose wieder anziehen – ein erster Schritt Richtung ausgewogenem Wachstum.
Marktreaktion: DAX stabilisiert sich nach Allzeithoch
Nach dem Rekordlauf zu Wochenbeginn zeigt sich der Markt am Dienstag etwas verhaltener: Der DAX stieg um 0,2 % auf 23.600 Punkte, nachdem er am Montag bei über 23.900 Punkten ein neues Allzeithoch markierte – getragen von Hoffnung auf eine Entspannung im US-China-Handelskonflikt.
Top-Mover: Bayer überrascht positiv
Unter den Tagesgewinnern sticht Bayer hervor: Die Aktie legte 8,5 % zu, nachdem das Unternehmen die Erwartungen im ersten Quartal übertroffen hatte.
- EBITDA (bereinigt): -7,4 % auf 4,09 Mrd. Euro
- Analysten hatten mit einem stärkeren Rückgang gerechnet
- Starke Nachfrage im Bereich verschreibungspflichtiger Medikamente kompensierte die Schwäche im Agrarbereich
Bayer bestätigte seine Jahresprognose und setzt seinen Sparkurs fort – inklusive 2.000 Stellenstreichungen im ersten Quartal.
WSR-Fazit: Sentiment-Erholung trifft auf Realwirtschaft – und weckt vorsichtige Hoffnung
Der ZEW-Sprung im Mai ist ein wichtiges Signal: Die Märkte beginnen wieder an eine Wende zu glauben – auch wenn die realwirtschaftlichen Daten noch hinterherhinken. Für Anleger gilt:
- Stimmung hellt sich auf – das kann mittelfristig Kurse treiben
- Einzeltitel wie Bayer zeigen, wie selektives Stock Picking jetzt Vorteile bringen kann
- Wer langfristig denkt, sollte die aktuelle Lage als Rotationschance in unterschätzte Sektoren sehen


