Was würden Sie tun, wenn Ihnen Mark Zuckerberg 1,5 Milliarden Dollar bietet – nur um den Job zu wechseln?
Der KI-Experte Andrew Tulloch sagte: „Nein, danke.“
Ein erstaunlicher Vorgang, der mehr offenbart als nur persönliche Überzeugungen – sondern zeigt, wie hoch der Druck inzwischen im globalen Wettlauf um KI-Talente ist.
Meta wollte nicht nur Technologie – sondern Köpfe
Der Hintergrund: Meta (ehemals Facebook) wollte laut Wall Street Journal das KI-Startup Thinking Machines Lab (TML) übernehmen, das von der früheren OpenAI-CTO Mira Murati mitgegründet wurde. Das Startup entwickelt multimodale KI-Systeme – also Modelle, die Text, Bild, Ton und Video gleichzeitig verstehen können – und wurde wenige Monate nach Gründung bereits auf über 12 Milliarden Dollar bewertet.
Als Murati die Übernahme ablehnte, versuchte Meta offenbar, zentrale Teammitglieder abzuwerben – darunter Andrew Tulloch, Mitgründer und einer der angesehensten KI-Ingenieure seiner Generation.
Tulloch lehnt 1,5 Milliarden-Dollar-Paket ab
Laut Berichten bot Meta Tulloch ein Vergütungspaket über sechs Jahre im Wert von bis zu 1,5 Milliarden Dollar – abhängig von Aktienentwicklung und Bonuskomponenten. Doch wie Murati selbst lehnte auch Tulloch ab. Kein einziges Teammitglied von TML wechselte zu Meta.
Meta dementierte die Übernahmeabsicht und bezeichnete das angebliche Angebot als „lächerlich“. Doch es reiht sich ein in eine lange Liste von hochdotierten Recruiting-Versuchen.
Wer ist Andrew Tulloch – und warum bleibt er standhaft?
Tulloch, geboren in Australien, hat in Sydney und Cambridge studiert – mit Auszeichnungen. Früh stieg er bei Goldman Sachs ein, wechselte 2012 zu Meta und war dort über zehn Jahre maßgeblich an der Entwicklung von PyTorch, einem der wichtigsten KI-Frameworks, beteiligt. 2023 ging er zu OpenAI, wo er unter anderem an GPT-4o mitarbeitete – und gründete wenig später zusammen mit Murati Thinking Machines Lab.
Er selbst gibt sich auf LinkedIn nur als „Member of Technical Staff“ aus. Doch wer ihn kennt, weiß: Er zählt zur globalen Top-Liga in der KI-Forschung. Warum also ablehnen?
Aus seinem Umfeld heißt es, Tulloch schätze die kreative Freiheit bei TML – und sehe das Geschäftsmodell von Meta kritisch. Doch es könnte auch schlicht eine strategisch-finanzielle Entscheidung gewesen sein: Als Mitgründer hält Tulloch Firmenanteile, die bei einem erfolgreichen Exit deutlich mehr wert sein könnten als jedes Gehalt.
Der Markt um KI-Talente wird irrational – und teuer
Zuckerbergs Jagd auf KI-Talente ist kein Einzelfall: In den letzten Monaten hat Meta dutzende OpenAI-Mitarbeiter abgeworben – oft mit Bonuspaketen, die an NBA-Verträge erinnern.
Forscher wie Lucas Beyer, Alexander Kolesnikov oder Shengjia Zhao wechselten zu Meta – manche erhielten laut Medienberichten Signing-Boni im hohen zweistelligen Millionenbereich. Meta hat mit dem Superintelligence Lab eine eigene Abteilung geschaffen, um mit OpenAI, Anthropic & Co. mitzuhalten.
Selbst Nachwuchstalente wie der 24-jährige Matt Deitke wurden mit Angeboten über bis zu 250 Millionen Dollar geködert – und sagten schließlich zu. Die New York Times vergleicht den Run auf KI-Forscher längst mit der NBA: Nur ohne Gehaltsobergrenze.
WSR-Fazit: KI-Talente sind das neue Gold – aber nicht jeder verkauft
Die Geschichte von Tulloch zeigt: Nicht jeder lässt sich kaufen – und nicht jeder denkt kurzfristig. In einem Markt, der von Hype, Milliarden und Megadeals getrieben wird, sind es oft die langfristigen Denker, die wirklich Geschichte schreiben.
Für Anleger gilt:
Wo die Top-Talente hingehen – oder eben nicht –, zeigt oft mehr über die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens als jede Pressemitteilung.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informations- und Bildungszwecken und stellt keine Finanz- oder Anlageberatung dar. Für individuelle Investitionsentscheidungen wenden Sie sich bitte an einen registrierten Finanzberaterin oder Bankberaterin.


