Noch bevor Friedrich Merz im Bundestag sein wirtschaftspolitisches Programm ausrollt, gibt er beim CDU-Wirtschaftsrat einen klaren Kurs vor: Bürokratie abbauen, Energiepreise senken – und: Deutschland muss wieder mehr leisten.
„Mit einer Vier-Tage-Woche und Work-Life-Balance werden wir den Wohlstand in diesem Land nicht halten können“, sagte Merz.
Mehr Arbeit? Nur wenn Leistung auch lohnt
Merz spricht einen wunden Punkt an – doch Arbeit allein bringt nichts, wenn das System Leistung deckelt. Wer heute in Deutschland viel arbeitet, bekommt oft mehr Bürokratie als Anerkennung.
Martin Limbeck, Unternehmer seit über 30 Jahren, bringt es auf den Punkt:
„Ich zahle seit Jahrzehnten den Spitzensteuersatz. Und ich sehe, wie Hochleister irgendwann die Lust verlieren – weil am Ende kaum mehr übrig bleibt.“
Das Problem: Steuern, Regularien und Genehmigungsverfahren ersticken jede Produktivität. Fachkräftemangel? Nicht nur, weil niemand mehr arbeiten will – sondern weil Arbeit sich schlicht nicht mehr lohnt.
Bürokratie abbauen statt Feiertage streichen
Der Vorschlag des bayerischen Arbeitgeberverbands, einen oder mehrere Feiertage zu streichen, sorgt zusätzlich für Stirnrunzeln. Beispiel Pfingstmontag: 8,6 Milliarden Euro mehr BIP, so manche Berechnungen. Aber bringt das wirklich was?
Realistisch betrachtet: Das Motivationslevel wird durch gestrichene Feiertage kaum steigen. Das Problem ist strukturell, nicht kalendarisch. Mehr Bruttotage bringen wenig, wenn der Nettoeffekt bei Arbeitnehmern und Unternehmen verpufft.
Was Deutschland braucht: eine echte Leistungskultur
Mehr Output pro Stunde statt mehr Stunden pro Woche. Das ist der Schlüssel.
„Wer keine Motivation hat, wird durch eine verlängerte Woche auch nicht produktiver“, sagt Limbeck.
„Was wir brauchen, ist ein System, das Leistung belohnt, nicht bestraft.“
Das bedeutet: Weniger Bürokratie. Bessere Rahmenbedingungen. Mehr Digitalisierung. Und vor allem: eine ehrliche gesellschaftliche Wertschätzung für Menschen, die Verantwortung übernehmen.
Merz will Netto-Boni für Überstunden – ein Schritt, aber nicht die Lösung
Merz forderte im Bundestag:
„Leistung muss sich wieder lohnen!“
Er schlägt vor, Überstunden steuerfrei zu stellen und Boni für Mehrarbeit steuerlich zu privilegieren. Ein guter Anfang – aber kein Gamechanger. Denn schon der normale Arbeitstag ist für viele durch hohe Abgaben entwertet.
WSR-Fazit: Der Weckruf war überfällig – jetzt braucht es Mut zur echten Reform
Friedrich Merz hat einen wichtigen Nerv getroffen. Aber sein Appell darf nicht bei Symbolpolitik stehenbleiben.
Was Deutschland jetzt braucht:
- Eine ehrliche Debatte über Arbeit, Wohlstand und Werte
- Ein Steuer- und Abgabensystem, das Leistung fördert – nicht bestraft
- Weniger Bürokratie – mehr Freiraum für Unternehmer und Fachkräfte
- Eine politische Kultur, die endlich wieder die Realität der Mitte anerkennt
Leistung muss sich lohnen. Nicht irgendwann – sondern jetzt.


